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IFUB

Das Projekt IFUB – Integrierte Flüchtlingsunterkunft und Begegnungszentrum wurde zu Hochzeiten der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 mit mehreren Bürger- und Akteursforen in Hann.Münden begonnen. Im Rahmen einer vorgeschalteten Studie für den Landkreis Göttingen untersuchte unser Büro den Standort eines kurz zuvor außer Betrieb genommenen Krankenhauses im Ortsteil Neumünden auf seine Eignung für eine nachhaltige Flüchtlingsunterkunft. Dabei standen vor allem mittel- und langfristige Nutzungsoptionen im Vordergrund, welche nach einem Abebben der Flüchtlingsströme greifen sollten.

Nach Fertigstellung der Studie hat sich unser Büro in einem VGV-Verfahren durchgesetzt und ist für die Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung des gesamten Projekts beauftragt worden.

Unsere Untersuchungen ergaben, dass die heterogene Bausubstanz aus ca. 150 Jahren Krankenhausbau, welche teilweise unter Denkmalschutz stand, um die Anbauten der letzten 30-40 Jahre zu bereinigen wäre. So wurden unter anderem OP- und  Stationsgebäude abgerissen, deren Bausubstanz teilweise nicht sinnvoll nachnutzbar und teilweise abgängig war. Die umfangreichen Abrisse stellten die verwertbare Bausubstanz frei und schufen großzügige Außenflächen. Ein dreistufiges Entwicklungsmodell sah dabei die kurzfristige Stellung von Unterkünften (Zeithorizont 3-9 Monate), eine mittelfristige Schaffung von günstigem Wohnraum (Zeithorizont 1-5 Jahre) und die optionale Weiterentwicklung von Wohn- und Nutzungsformen zur quartiersmäßigen Durchmischung (Zeithorizont > 5 Jahre) vor.

Das im Rahmen der Studie entwickelte Raumprogramm wurde im Verlauf der weiteren Planung und Ausführung immer wieder den sich ändernden Randbedingungen angepasst und durchlief dabei in Teilen das oben genannte Dreiphasen-Modell im Schnelldurchlauf. So verringerte sich zum Beispiel die ursprünglich geplante hohe Zahl von herbergsähnlichen Unterkünften zur Maximierung der Belegung zugunsten von kleinen Wohnungen der Phase 2. Es zeigt sich, dass das Dreiphasen-Modell flexibel genug war, sämtliche lokal wirksamen Veränderungen der Flüchtlingsströme aufzufangen.

Die Sanierungen und Umbauten umfassen die gesamte technische Infrastruktur (Heizung, Sanitär, Elektro) sowie umfangreiche Umbauten an der Gebäudestruktur. Die Fassaden werden nur in solchen Teilbereichen verändert, deren dahinterliegende Nutzung dies erforderte, eine energetische Sanierung erfolgt nicht. Um Kosten zu sparen, wurde für den Landkreis Göttingen als Bauherr ein dem Suffizienz-Prinzip verpflichtetes Oberflächen-Konzept als sog. „Shabby-Chic“ entwickelt, welches Flächenreparaturen, Überstreichen und Ergänzungen erlaubt. So entsteht bezahlbarer Wohnraum im Bestand, welcher sicherlich nicht mit dem heute üblichen Standard im Neubau vergleichbar ist, aber einen eigenen, urbanen Reiz entwickelt.

Der Abschluss der Gesamtmaßnahme ist für den Sommer 2018 geplant.

 

 

Weitere Informationen

Adresse: Hann. -Münden